Leben in der Lagunenstadt

Im September erscheint in Deutschland das gemeinsam mit dem Fotografen Karl Johaentges erstellte und von Terra Magica verlegte Buch. Im Oktober wird es auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Das sind die letzten 2 Termine um das Projekt mit Karl Johaentges an dem Buch „die letzten Venezianer“ abzuschliessen: 400 Seiten, mehr als 500 Fotografien und viele Erzählungen bieten einen aussergewöhnlichen Blick auf Venedig und seine Lagune. 2 Jahre Zusammenarbeit, die sich aus Boots-, Fahrrad- und Hubschrauberausflügen zusammensetzte, hunderte Treffen um Fotos und Interviews zu machen und einer ständigen Korrispondenz zwischen Venedig und Hannover.
Ich traf Karl im Oktober 2012, während einer seiner Venedig Besuche und verabredete mich mit ihm im Ruderclub der Giudecca und dann nach guter venezianischer Tradition, bei einem Glas Spritz erzählte er mir von seinem Projekt und zeigte mir sein Foto- book. Die Fotos waren fantastisch, wunderbare Blicke auf Venedig und viele freundliche Personen hatten sich schon seinem Objektiv gestellt.
Aber wie kann man die meistfotografierte Stadt der Welt erzählen und abbilden ohne in Gemeinplätze zu verfallen und ohne Gefahr zu laufen Alltag und Vertrautes als selbstverständlich anzusehen, die sich so vielleicht unseren Augen entziehen?
Das war unsere erste gemeinsame Überlegung. Es war wichtig die unlösbare Verbindung zwischen Stadt und Lagune zu erzählen. Diese Welt von Inseln, Küstenstreifen und Kanälen in 550 km² Wasser und Erde ist bevölkert von Fischern, Bauern, Spitzenstickerinnen, Wissenschaftlern, und Ruderinnen, die die Stadt ergänzen.
Karl war einverstanden und bat um meine Mitarbeit auf neuen Wegen durch Venedig und der Lagune, auf der Suche nach ihren Ursprüngen.
Die letzten Venezianer zeigen die vielen Gesichter dieser Stadt, geben Einblick in Wünsche und Sorgen, Leidenschaft und Arbeit und sind nur zu oft Ausdruck einer Kultur und einer Anpassung an eine einzigartige Landschaft.
Wir haben Palazzi, Museen und Gondelwerften besucht, sind auf Inseln und in Fischfarmen gelandet und haben 1000 fragen gestellt:
Was bedeutet es in der Lagune zu leben, welche Probleme bring das Hochwasser, wie funktioniert das Abwassersystem der Stadt, wie lebt sich auf einer Insel und wie ist der öffentliche Personenverkehr geregelt?
Der rote Faden dieser Erzählungen ist die Sichtweise derjenigen, die noch in der Stadt und auf den Inseln leben, die Künste und Berufe erhalten haben und derjenigen, die Venedig als Wohnort gewählt haben wegen seiner menschlichen Dimension.
Wir haben fast 100 Personen gebeten von ihrer Stadt zu erzählen, der Lagune, ihrer Arbeit, dem Alltag und ihren Hoffnungen, es sind ihre Worte, die die Fotos kommentieren. Die Fotos zeigen das Gewebe eines sozialen Netzes, das die Stadt in besonderer Weise belebt, welches zusammen mit den Flüssen und dem Meer die Stadt geschaffen hat, der Verlandung der Lagune entgegengewirkt und weiterhin eine Zukunft für Venedig sucht.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Karl Johaentges, mehrere Jahre selbst Verleger und Herausgeber einer eigenen Reisebildbandreihe (KaJo), fotografierte bislang für über 40 Bildbände. Einige wurden mit Buchpreisen ausgezeichnet und zwei auch für den Deutschen Fotobuchpreis nominiert. Magazine wie Stern, GEO, Spiegel oder Zeit-Magazin veröffentlichten seine Reportagen und Bilder. Er lebt mit seiner Frau in Hannover.

Luana Castelli, gebürtige Venezianerin, leitet naturkundlich-kulturelle Führungen und Reisen in Venetien und engagiert sich in der Kooperative LIMOSA, die sich der Umweltpädagogik und Stadtforschung widmet.